Um diese oft gestellte Frage gleich hier zu beantworten: Die ursprüngliche Lehre des Dao versteht sich nicht als „religiös“ im abendländischen Sinne, d.h. als von Gott eingesetzte Kirchen- bzw. Ordensgemeinschaft oder Schule mit einer festgeschriebenen Kultordnung. Eine eigentliche Dao-Religion institutionalisierte sich erst Jahrhunderte nach der Zeit der alten Weisen des Daoismus. Sie ist ein Produkt des Endstadiums der Östlichen Han-Dynastie. Dem Denken aus dem Dao geht es von Beginn an darum, sich in ein besseres Verhältnis zur höheren Ordnung des Kosmos zu setzen und von da her die Natur aller Wesen im Universum zu erforschen. Dieses Bestreben teilt der Daoismus zwar mit etlichen Religionen, aber dies rechtfertigt nicht die Gleichsetzung der Dao-Lehre mit Ausdrucksformen der Religiosität.

Laozi-FigurDie Dao-Lehre vermittelt eine Weltanschauung im Sinne des altchinesischen Ausdrucks für „Lehre der Weisheit“, Zhe Xue (悊学). Gemäß dieser Dao-Weisheitslehre (bzw. der spezifisch daoistischen Ausformung der Zhe-Philosophie) soll durch Übung und Selbstkultivierung ein geistig-physischer Zustand verwirklicht werden, in welchem „Himmel und Mensch“ zur Vereinigung kommen. Angestrebtes Ziel ist die Erkenntnis der Wahrheit von Himmel und Erde in einer harmonischen Kombination von Weisheit und Rationalität, vorgeburtlicher Intuition und nachgeburtlicher Intelligenz. Exemplarisch sieht man diesen Gedanken in der Yi-Dao-Lehre des Urkaisers Fuxi, der Fa-Dao-Lehre des „Gelben Kaisers“ Huangdi und der De-Dao-Lehre des Laozi durchgeführt.

„Mit Einsicht bewegte sich der Weise im Bereich der Zhe-Philosophie. Sein Wesen war voller Licht, daher konnte er das Herz von Himmel und Erde verstehen.“
(圣人既躬明悊之性,必通天地之心)

Dies ist eine Bemerkung aus dem „Buch der Han“, dem Han Shu (汉书). Wichtig ist besonders die Erwähnung des Herzens. Das altchinesische Zeichen für Zhe – 悊 – enthält in seinem unteren Teil das „Herz“-Zeichen (心).

Mit Beginn der Han-Dynastie (206 v. Chr bis 220 n. Chr.) kam es zu einer allmählichen Abwertung des tradierten Bildes vom weisen Philosophen. Dies ging einher mit dem Aufstieg eher rationalistischer Denkschulen und der Ausprägung eines akademisch verstandenen Philosophiebegriffs als spezialisierter Disziplin. Auch der überlieferten Lehre des Dao, welche vor der Qin-Dynastie (221-207 v. Chr.) noch sehr verschiedenen philosophischen Schulen und Denkrichtungen als Mutterboden gedient hatte, versuchte man nun einen Platz im Reigen der Disziplinen anzuweisen. Man nannte sie fortan „Dao-Jia“ (道家) oder auch „Dao-De-Jia“ (道德家). Unter den Philosophen verdrängte das neue Ideal der Intelligenz das alte Ideal der Weisheit.

Wenn man von der alten Philosophie der Chinesen spricht, muss man also historisch und von der Sache her zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Ausrichtungen unterscheiden. Aus dem heutigen Zeichen für „Philosophie“ – 哲 – ist der Herz-Aspekt ganz verschwunden und durch das Zeichen für „Mund“ (口) ersetzt.

Die klassische Lehre des Dao lässt sich ohnehin nicht auf einen durch das europäische logos-Verständnis geprägten Philosophie-Begriff festlegen, wiewohl dies in westlichen Darstellungen häufig versucht wurde. Es handelt sich nicht in erster Linie um rationale Erkenntnislehre, sondern um eine ganzheitliche Methode zur Selbstgestaltung/ Selbstkultivierung des Menschen. Dies stand der Ausprägung einer Lehrsystematik nicht im Wege, die durchaus Ähnlichkeiten mit philosophischer Systembildung hat. Im Zentrum steht aber nicht die Lösung wissenstheoretischer Probleme, sondern es geht primär um heilsame Einwirkung auf die Praxis, Kultur des menschlichen Denkens und Handelns.

In der Nachfolge von Fuxi, Huangdi und Laozi bezeichnen die Daoisten ihre Lehre auch als „Dao-De-Wurzel-Kultur“. In der Tat versammelt sich in ihr die Essenz der Kultur Chinas und sie ist in vielen Aspekten die historische und ideelle Quelle der chinesischen Zivilisation. Darüber hinaus werden das Dao selbst und die Grundzüge der Lehre aber als universal und interkulturell aufgefasst. Im Verborgenen wirkt Dao als Seele und Rückgrat der Menschheitsgeschichte.

Welche Eigenschaften hat aber ‚das Dao‘ selbst? Stille, Lautlosigkeit, Leere, Formlosigkeit – Dao existiert nicht wie die im Raum vorhandenen Dinge und doch ist kein Ort, der nicht durchdrungen wäre vom Dao. Zwar wird es als leer bezeichnet, doch gebiert es Alles, was ist. Dao ist Wurzel und Quelle aller Dinge zwischen Himmel und Erde. So sagt es der berühmte Spruch des Laozi:

„Aus Dao stieg das Eine [De] auf. Aus dem Einen entstanden Zwei [Yin und Yang]. Aus Zweien gingen Drei hervor und die zehntausend Dinge entstanden.“
(道生一,一生二,二生三,三生万物。)

und

„Dao gebiert alles, De ernährt alles. In den Lebensgeistern regt sich De. Sichtbar wird es in Formen und Gefäßen. Deshalb neigen sich die zehntausend Dinge dem Dao und schätzen das De.“
(道生之,而德畜之,物形之,而器成之。是以万物尊道而贵德。)

Aus Dao geboren, durch De ernährt – das ist der natürliche Lauf der Dinge. Das Dao steht nicht außerhalb der Natur. Es beherrscht sie, doch ohne Überwältigung. Es wandelt inmitten der Natur und der Naturgesetze. Es ist die zwanglose Regel in allen Dingen. Die Präsenz des Dao fasste Laozi in dem bekannten Ausdruck Wu Wei, 无为. Der Zustand des Wu-Wei setzt den Menschen in Bewegung; von selbst, absichtslos, ohne intentionale Aktion. So schlägt ohne Einmischung des Bewusstseins der Rhythmus des Herzens und steuert das innere Milieu des Lebens im Körper. Im Zustand des Wu-Wei entsteigen alle Dinge dem Dao und durch die Energie des De entfalten sie ihre Wirkung in der Welt; und nichts bleibt ungetan. Kultivierung durch Dao – das bedeutet die durch Übung angebahnte spontane Vereinigung der drei Kräfte „Himmel, Erde und Mensch“. Laozi sagt im De Dao Jing: „Der Mensch folgt der Erde, die Erde dem Himmel, der Himmel dem Dao, Dao dem Lauf der Natur.“.

Wie wir bereits bemerkten, beruft sich die Überlieferung der Dao-De-Wurzel-Kultur auch auf literarhistorische Traditionslinien. Die wichtigsten Klassiker sind das Yi Jing (易经), welches dem legendären Erfinder der Acht Trigramme, dem Kaiser Fuxi, zugeprochen wird; das Huang Di Si Jing (黄帝四经), das Huang Di Nei Jing (黄帝内经) als erstes Standardwerk der Inneren Medizin und das De Dao Jing des Laozi. In diesen Schriften geht es nicht nur um die geeigneten Prinzipien und Methoden zur Landesregierung, sondern gleichzeitig immer um die Beherrschung des inneren Körperlandes. Wie ein verkleinertes Hologramm der Natur steht der Mensch zwischen Himmel und Erde. Das Milieu des Mikrokosmos, d.h. das innere Reich des Körpers, korrespondiert vollständig dem Makrokosmos, d.h. dem Universum, welches den Menschen von außen umgibt. Lässt der Mensch seine essentielle Übereinstimmung mit dem Dao der Natur zu, so erlangt er Meisterschaft, sogar über die Gesetzmäßigkeiten des Himmels. Die Philosophie der Erleuchteten entstand durch Kultivierung des Inneren. Die Ergebnisse ihrer inneren Betrachtung brachten sie nicht zuletzt in ihren Beiträgen zur chinesischen Kultur- und Wissensgeschichte zur Anwendung in der äußeren Welt.

Das erste halbe Jahrhundert der Westlichen Han-Dynastie (wir meinen die Jahre 202-140 v. Chr.), auch Zeit der „Huang-Lao-Herrschaft“ oder „Wen-Jing-Herrschaft“ genannt, gilt als eine der kulturell ergiebigsten Herrscherzeiten der chinesischen Geschichte. Anfangs war infolge der Zerrüttung des Landes durch lange Kriege das wirtschaftliche Leben fast versiegt. Doch Liu Bang, der erste Kaiser der Han und seine Nachfolger Han Wen Di und Han Jing Di hatten den Untergang ihrer Vorgängerdynastie, der Qin, noch vor Augen und zogen ihre Schlüsse daraus. Sie rehabilitierten die während der Machtbefestigung der Qin unter die Räder gekommenen Lehren des Huangdi und des Laozi. Sich selbst verstanden sie als Regierende im Sinne des Wu-Wei, übten Nachsicht gegenüber ihren Untertanen und setzten den Keim für eine Epoche blühender Wirtschafts- und Kulturentwicklungen. Daneben gelten übrigens die glanzvollen Regierungszeiten von Guang Wu Zhong Xing (25-57 n. Chr.), Zhen Guan Zhi Zhi (627-649 n. Chr.) und Kai Yuan Zhi Zhi (713-741 n. Chr.) ebenfalls als Epochen einer neu- bzw. wiedererblühenden Dao-Kultur, in welchen die Herrscher danach trachteten, den Prinzipien des Dao zu folgen und das De hochzuhalten.

Schon mit Eintritt der sogenannten Achsenzeit hatte das Vorbild der alten Weisen seine Ausstrahlung immer wieder zu verteidigen. Es stand dabei in Konkurrenz zu staatstragenden oder rationalistischen Weltbildern, welche mit der zunehmenden Ausdifferenzierung der feudalen und später feudal-bürokratischen Gesellschaftsform Chinas im Bund standen. Das Denken aus dem Herzen (d.h. die 悊-Weisheitslehre) drohte  langsam in Vergessenheit zu geraten und hatte etliche Einbrüche zu überstehen. Die 哲-Philosophie als Lehre des intellektuellen Bewusstseins trat in solchen Momenten mächtig hervor. Nicht nur die Dao-Philosophie, auch die Dao-Kultur als Ganze hatte im Verlauf ihrer Geschichte große Verluste zu verzeichnen und wurde immer weiter entstellt. Folgende historische Phasen des Verlustes möchten wir hier in aller Kürze nennen: 1. Plünderung und Raub: Zur Zeit der Westlichen Zhou-Dynastie (11. Jhdt. bis 771 v. Chr.) drangen Stämme aus dem Westen Chinas nach West-Zhou vor und brachten sich in den Besitz archivierter Aufzeichnungen; 2. Versprengung und Verbannung: Zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie (770-256 v. Chr.) wurden klassische Schriften in einige kleinere Vasallenstaaten versprengt; 3. Entstellung durch Verkürzung: Zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (722-481 v. Chr.) begann man mit dem gezielten Ausstreichen wesentlicher Passagen und Bedeutungsebenen der klassischen Schriften; 4. Bücherverbrennung: Der erste Kaiser der Qin-Dynastie, Qin Shi Huang (259-210 v. Chr.), ließ systematisch die Schriften verbrennen, die er für staatszersetzend hielt; 5. Verschiebung der Deutungshoheit: Auch Han-Kaiser Wu (156-87 v. Chr.) marginalisierte in gewisser Weise die Bedeutung der Dao-Kultur für die Zivilisation Chinas, indem er konfuzianischen Gelehrten die Kontrolle über die offizielle Lesart der klassischen Schriften verschaffte. Auch er verbrannte heimlich Bücher und nahm Kürzungen im Textbestand vor. Das Verschwinden des Huang Di Si Jing fällt in seine Regierungszeit; 6. Neufassung: Kaiser Yuan (汉元帝) vernarrte sich sehr in den Konfuzianismus; die Lehre von der Weisheit des Herzens wurde durch ihn besonders gründlich verzerrt, ausradiert und ersetzt.

So war schließlich die Mutter aller Schulen bis zur Unkenntlichkeit entstellt und fragmentarisiert worden. Den legendären Begründer des sogenannten „Himmelsmeister-Daoismus“, Zhang Dao Ling (geb. um 34, gest. um 156 n. Chr.), überkam deshalb die böse Vorahnung, dass ohne gezielte Gegenmaßnahmen die autokratische Vorherrschaft des Konfuzianismus auf lange Zeit hinaus die geistige Landschaft Chinas beherrschen würde. Er begründete eine kultische Gemeinschaft der Daoisten als Fluchtstätte für die althergebrachte Lehre des Dao. Um die Quelle der geistigen Ernährung der Menschen nicht ganz versiegen zu lassen, erneuerte er die Lehrinhalte der Weisheits-Philosophie aus dem Dao, nun aber unter eindeutig religiösen Vorzeichen. Die eigentliche Dao-Religion ist also ein Produkt des Endstadiums der Östlichen Han-Dynastie, wie wir eingangs bereits bemerkten. Nicht etwa Laozi selbst ist ihr Initiator – das ist, nebenbei bemerkt, ein wesentlicher Unterschied zu Religionsstiftern wie Siddhartha Gautama, Jesus Christus und Mohammed. Der Himmelsmeister-Daoismus erhebt zwar Laozi zu seiner Gründerfigur, und das aus ihrer Schule hervorgegangene Buch Xiang Er Zhu De Dao Jing (想尔注道德经) ist einer der wichtigsten Kommentare zum De Dao Jing. Dies rechtfertigt aber nicht, die Weisheiten des Laozi mit den späteren Satzungen und Vorschriften gleichzusetzen, wie sie sich innerhalb der religiösen Kultordnungen und Institutionen entfalteten.

Fassen wir zusammen: Die ursprüngliche Dao-Kultur bestimmte über lange Zeiten maßgeblich die Geschicke Chinas. Ihre ideelle Führung wurde durch die politisch legitimierte Herrschaft der konfuzianischen Staats- und Sittlichkeitslehre beendet. Sie trat aus dem Hauptstrom des geistigen Lebens in China zurück und begann erst während der großen Unordnung in der Übergangszeit von der Westlichen- zur Östlichen Han-Dynastie, sich in neuer Gestalt als Dao-Religion zu formieren. Die lange Geschichte der Dao-Kultur wird also durch eine Betrachtung der Himmelsmeister-Religion keinesfalls vollständig eingeholt.

Die Lehre des Laozi brachte unter Anderem auch den religiösen Daoismus hervor, nicht aber die Dao-Religion die Philosophie des Laozi.

Ein und dieselbe Lehre kann auf verschiedene Weise aufgenommen und methodisch weitergeführt werden. Oft gilt das auch umgekehrt, und unterschiedliches Vorgehen kann am Ende ins gleiche Resultat einmünden. Vergleicht man regionale Kulturen und Territorien, welche in früheren Zeiten niemals miteinander im Verkehr standen und sich völlig unabhängig voneinander entwickelten, so fällt ins Auge, wie sich erstaunlich oft ihre Sitten, Gebräuche und zivilisatorischen Errungenschaften ähneln. Die Aufzeichnungen der Weisen und Visionäre aller Zivilisationen der Menschheitsgeschichte eint das Prinzip der inneren Anschauung. Die Philosophen des Dao – und darin unterscheiden sie sich allerdings – formten daraus ein ganzheitliches, schriftlich niedergelegtes und auf breiter Basis gesellschaftlich anerkanntes System zur seelisch-körperlichen Kultivierung.

Zwei der kulturübergreifenden Bräuche, wie sie die Natur des Menschen immer wieder und an ganz unterschiedlichen Orten der Welt hervorbrachte, wollen wir hier nennen; so hat beispielsweise das Fasten in der Lehre des Dao eine wichtige Bedeutung, ähnlich wie bei anderen Völkern auch; Reinigung von Körper und Seele fördert die Gesundheit und dient der Steigerung spiritueller Aufnahmebereitschaft. Auch in den Gründungserzählungen der Religionen hat Fasten eine starke Symbolkraft: Jesus erreichte den Zustand höherer Einheit mit dem Vater im Himmel nach einer 40-tägigen Fastenzeit. Siddharta Gautama meditierte im Alter von 35 Jahren unter dem Pu-Ti-Baum; nach 49 Tagen ohne Nahrungszufuhr trat er in den Zustand der Erleuchtung ein. Auch Moses und Mohammed erlangten während oder unmittelbar nach einer Fastenzeit ihre ‚übernatürlichen‘ Kräfte.

Das chinesische „Fest der kalten Speisen“ wird seit mindestens 2600 Jahren begangen und stammt ursprünglich aus der Fasten-Methodik der Dao-Lehre. Während der kalendarisch festgelegten Festzeit wird nur kalte Speise zu sich genommen, das Feuer wird nicht benutzt. Vor der Han-Dynastie dauerte es noch einen Monat lang. Unter dem Effizienz-Druck zunehmender gesellschaftlicher Verwaltung wurde das Fest der kalten Speisen abgekürzt und wird heute nur noch an einem einzigen Tag begangen.

Ähnliche Fastenzeiten gibt es auch in anderen Teilen der Welt, so etwa die Fastenzeit im Christentum zur Vorbereitung auf das Hochfest Ostern. Sie beginnt am Aschermittwoch und dauert 46 Tage bis zum Karsamstag. Das Fasten erinnert die Christen an die 40 Tage, die der Heiland fastend und betend in der Wüste verbrachte. Als volkstümlich verbreitete Methoden zur Körperreinigung sind christliches und chinesisches Fasten durchaus zu vergleichen – auch wenn das soziale, das kultisch-religiöse und vor allem das medizinisch-wissenschaftliche Umfeld sich deutlich voneinander unterscheiden.

Weltweit verbreitet ist außerdem die Rezitation von Texten, sei es in einem liturgischen Rahmen, sei es während der Meditation des Einzelnen, dem Gebet der Gemeinde oder dem Kirchengesang (etc.). Laozi lehrte vor 2500 Jahren die doppelte Anrufung bzw. das zweimalige „Erwecken der Shen“. Auch hier ließen sich interkulturelle Vergleiche, etwa zur spirituellen und heilenden Funktion des Wortklangs, anknüpfen.

Muss man solche natürlichen Techniken der Einwirkung auf das eigene körperlich-seelische Dasein oder Befinden unbedingt als „religiös“ oder „proto-religiös“ (o.ä.) definieren? Wir sind nicht dieser Meinung. Im Gegenteil: Dass man für die vielfältigen Kultivierungsmethoden der 悊- Philosophie so viele Gegenstücke finden kann in den zahlreichen Kulturen und Religionen der Welt, überzeugt uns um so mehr davon, dass die natürliche Weisheit aus dem Dao grenzenlos ist.

Die Dao-Kultur in ihrem weitesten Verständnis ist die allgemeine menschliche Eigenschaft, sich Werkzeuge und Methoden zur Naturerkenntnis zu schaffen – mit dem höchsten Ziel, den Menschen mit Himmel und Erde in Einklang zu bringen. Diese menschliche Eigenschaft existierte schon vor der Geburt der Religionen. Und auch ihre Lehre ist nicht schon selbst Religion.

Zwar musste ihre Überlieferung unberufene Eingriffe von außen hinnehmen, doch die Wurzel des mächtigen Baums der Kultur Chinas reicht immer noch tief. Es zeigte sich, dass es nicht möglich war, den Baum komplett zu entwurzeln. Als die Lehre durch amtliche Dekrete drohte, für immer entstellt zu werden, da fand sie im Volk ihre Rettung. Sie wurde von Meistern an Schüler über viele Generationen getragen und überlebte.

Heute dominiert wieder die nachgeburtliche Denkweise und herrscht immer totaler über das Leben. Im Moment des Kulturverlusts beginnen die Menschen aber zu spüren, was vor sich geht. Es gibt Anzeichen für eine stärker werdende Sehnsucht nach dem Ideal der Alten Meister – Weisheit und Intuition. Die Dao-De-Wurzel-Kultur und ihre Methoden zur Selbstkultivierung scheinen auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Renaissance. Ein passender Leitsatz dazu findet sich in den Worten eines der großen vom Dao inspirierten Weisen, des Zhuang Zi:

„Ein banaler Mensch schaut nur nach dem Profit. Aufrechte aber mittellose Menschen halten meist viel vom Ruhm. Ein guter Mensch, zudem wohlhabend und talentvoll, legt Wert auf eigene Pläne. Wer aber Himmel und Erde erkennt, der findet seinen Reichtum in der Essenz.“
(众人重利,廉士重名,贤士尚志,圣人贵精。)

                                                                                             -w.l.-

       

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