Die folgende Darstellung zeigt das Jing-Zeichen heute (siehe obere Zeile) und in einigen seiner entwicklungsgeschichtlichen Vorstufen (untere Zeile):

Jing

Es handelt sich um ein Doppelzeichen, d.h. es besteht aus zwei Teilen, deren rechter in diesem Fall das Kernzeichen ist. Die erste der hier wiedergegebenen geschichtlichen Vorstufen (siehe untere Zeile) weist rechts oben auf das wahre Feuer, welches aus dem Wasser stammt - in der Lesart des Dao wird es als Yang-Feuer kenntlich, welches sich aus dem Nierenwasser erhebt.

Die untere Hälfte des rechten Teilzeichens stellt ein sogenanntes Ding (鼎) dar, einen Kessel, wie er im Alten China zum Kochen Verwendung fand. In diesem Kessel befindet sich ein Tropfen Wasser; er ist Inbegriff der Jing-Essenz selbst. Korrespondierend verortet die daoistische Medizin im menschlichen Unterleib ein kesselartiges Gebilde, in welchem der Tropfen der wahren Essenz, eben das Jing, aufbewahrt ist.

Der obere Teil des linken Teilzeichens bedeutet „selten/ wenig", der untere bedeutet auch „klein"; in den Teilbedeutungen wird die Winzigkeit und Nichtsichtbarkeit aber auch die Kostbarkeit dieser raren Substanz sinnbildlich.

Kessel-Ding

An überlieferten Stufen der Zeichenentwicklung lässt sich ablesen, dass Jing nicht die Bedeutung von Sperma hatte, wie von heutigen Übersetzern oft angenommen wird. Der winzige Punkt im Ding deutet dagegen auf die Substanz, in welcher das Leben gründet und verdeutlicht die Möglichkeiten des Wandels aus dem Grund heraus. Denn von ihm aus wachsen dem körperlichen und dem seelischen System Energien zu. Obschon das energetisch aufgeladene Jing in sich keine fixierbare Form hat, so besitzt es doch drei quasi biologische Eigenschaften, die im Leibesinneren emanieren:

Erstens lagern ihm wie einer Erbsubstanz die Informationen ein, welche das individuelle Lebewesen gestalthaft ausprägt; zweitens kann sich Jing aus unsichtbarer Feinheit heraus in materiale, greifbar organische Substanzen umformen; drittens besitzt es neben dieser Fähigkeit, sich im sichtbar Körperhaften zu manifestieren auch die entgegengesetzte Fähigkeit, in energetisch hochwertigeres Qi zu raffinieren.

In Sperma materialisiertes Jing, welches Substanz und Form ausprägt, sollte also nicht mit Jing, welches als Qi-Energie wesentlich ungeformt ist und welches beispielsweise bei den traditionellen Übungen des Qi Gong eine wesentliche Rolle spielt, verwechselt werden.

 

 

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