„Es gibt etwas, das schon da war, bevor Himmel und Erde entstanden“ (有物昆成,先天地生). Dieser Satz bezieht sich auf das Dao, das schon existierte, bevor sich das Universum formte. Man kann das Dao nicht beschreiben oder fassen, es istdie Energieund die Umgebungum uns herum. Es ist gestaltlos, still und grenzenlos. Es ist ein Zustand des Nichts und der Leere, ohne Ende und ohne Anfang. Obwohl das Dao "Nichts" ist, entsteht alles aus ihm, denn das Dao ist die fundamentale Energiequelle.

Laozi sagte: „Aus dem Dao stieg die Eins (das De) auf. Aus der Eins entstand die Zwei (Yin und Yang). Aus der Zwei ging die Drei hervor und brachte die zehntausend Dinge mit sich.Die zehntausendDinge tragen das Yin und umfassen das Yang. Ausgewogenheit ist zur Gänze erfüllt mit dem Qi des De.(道生一,一生二,二生三,三生万物,万物负阴而抱阳,中气以为和。)

In der chinesischen Numerologie entspricht das Dao der Null, während das De der Eins entspricht. Das Dao ist der natürliche Ursprung des Universums. Vor der Entstehung des Universums und der Verwandlung von Dao in De waren diese nicht getrennt. Das Energiefeld des himmlischen Dao drehte sich dann nach links, während das Energiefeld des irdischen Dao sich nach rechts drehte. Das führte dazu, dass die Null (0), welche sich in der wahren Leere zwischen Himmel und Erde befand, sich zu einer Acht (8) verdrehte. Durch den Energiedruck entstand aus dem Ursprungs-zustand das Tai-Ji-Energiefeld. Somit entstand die Vielfalt der zehntausend Dinge in den unterschiedlichsten Farben und Formen.

Entstehung-des-Taiji-Zustandes-durch-rechtlaeufige-Bewegungen-des-Dao

Das Energiefeld des Himmlischen Dao drehte sich nach links, wohingegen sich das Energiefeld des Irdischen Dao nach rechts drehte. Auf Grund dieser Bewegungen, dem entgegengesetzten Verdrehen der Energien, begann sich die "Null" des Wu-Ji-Zustands zu verändern und es entstand der Tai-Ji-Zustand. Die S-förmige Welle in der Mitte des Tai-Ji-Symbols entstand durch das Verdrehen und Zusammen-pressen des Wu-Ji-Kreises. 

energiefeld

Das Dao, die Null, ist Ursprung und Anfang der zehntausend Dinge. Das De, die Eins, ist die Energie für die Entstehung der zehntausend Dinge. Sie ergibt sich aus der Veränderung des Dao, der Null, aus dem Wu-Ji-Zustand. Die Zwei, Yin und Yang, entsteht aus dem De und stellt die Yin- und Yang-Eigenschaften der zehntausend Dinge dar. Die Drei steht für De, Yin und Yang.Die zehntausend Dinge sind aus der Drei entstanden. Die Philosophie von Laozi, nach der die zehntausend Dinge aus der Drei entstehen und Ausgewogenheit zur Gänze erfüllt ist mit dem Qi des De, ist in dem daoistischen Lehrbild Xuan-Ji dargestellt. Es wird auch das Xuan-Ji-Qi-Tian-Bild (旋极气天图) genannt (Xuan: dunkel, unsichtbar, geheimnisvoll; Ji: polar, : Qi; Tian: Himmel).

Das Tai-Ji-Symbol stellt den Zustand perfekter Harmonie dar.

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Der Prozess, in dem die zehntausend Dinge entstehen und sich verändern, vollzieht sich in einem vollkommen ausgewogenen Zustand. Es ist nicht einfach, diesen Zustand zu erreichen. Wenn Yin voranschreitet, zieht sich Yang zurück; wenn Yang wächst, erlischt Yin. Das Phänomen „du schreitest voran, ich ziehe mich zurück“ ist die am weitesten verbreitetste und am häufigsten zu beobachtende Erscheinungund gehört zu unserem Alltag.

Nur unter der Führung der De-Energie können Yin und Yang harmonieren. Gedeih und Verderb, das Wachsen und Schrumpfen von Yin und Yang sind völlig von einer ausreichenden Versorgung mit De-Energie abhängig, die in der Mitte des Xuan-Ji-Bildes abgebildet ist.

Im Zentrum des Xuan-Ji-Symbolsbefindet sich ein stabiler Kreis – die Null, die den Wu-Ji-Zustand symbolisiert. Das Zentrum dieses Kreises ist gefüllt mit purer De-Energie. Außerhalb des Kreises befinden sich Yin und Yang, die ständig in Bewegung sind. Die zehntausend Dinge werden aus dem Dao geboren und durch das De genährt. Nachdem sie mit den Yin- und Yang-Eigenschaften (der Zwei) versehen worden sind, können sie ihren Zustand nicht unverändert bewahren. Somit muss es zu dynamischen Veränderungen kommen. Es ist ein Naturgesetz, dass alles die Yin- und Yang-Eigenschaften enthält. Deshalb umschließen im Xuan-Ji-Bild Yin und Yang den äußeren Ring des Zentrums. So befinden sich De und Qi im Zentrum des Tai-Ji-Balls und regulieren Yin und Yang.

Durch den stabilen Zustand im Zentrum können die sich ständig verändernden Yin und Yangaußerhalb des Rings harmonisch miteinander interagieren und sich ausgeglichen entwickeln. Die S-förmige Welle im Xuan-Ji-Bild verschwindet im Tai-Ji-Symbol. Es gibt kein Ungleich-gewicht wie „du bist über mir, deshalb bin ich unter dir“ oder „ich bin mehr, deshalb bist du weniger“. Wenn sich das „friedliche Yin“ und das „geheimnisvolle Yang" unter der Kontrolle des De befinden, lassen sie sich vollkommen verwirklichen und erhalten ein stabiles Gleichgewicht; nur so können sie sich verändern und nähren. Das ist der natürliche Grundsatz des De, der von Laozi formuliert wurde („Ausgewogenheit ist zur Gänze erfüllt mit dem Qi des De“). Schließlich ist die Drei die Essenz, aus der die zehntausend Dinge entstehen, sich entwickeln und schließlich sterben. Sie umfasst die Ursprungskraft der Basiszahlen sowie die holistischen Informationen der Dinge.

Das Dao nährt die zehntausend Dinge mit De-Energie. De ist der Träger von Dao und dessen Erscheinungsform. Es ist die äußere Verkörperung, das Transportmittel und der äußere Ausdruck des Dao. Das Dao-Licht und die De-Energie lassen die zehntausend Dinge entstehen und gedeihen. Sie erfüllen das Innere und Äußere des Universums, der Natur und der zehntausend Dinge. Es gibt keinen Ort, an dem sie nicht zu finden sind.

Dao gebärt alles, De ernährt alles, De kommt in den Lebensgeistern zum Vorschein, De tritt hervor in den sichtbaren Gefäßen. Deshalb neigen sich die zehntausend Dinge dem Dao zu und schätzen das De.” (道生之,而德畜之,物形之,而器成之。是以万物尊道而贵德。) In den zehntausend Dingen ist bereits Dao und De enthalten. Deshalb müssen die zehntausend Dinge das Dao respektieren und De schätzen.

Dao-Licht und De-Energie kann man nicht trennen, so wie man die Menschen und die zehntausend Dinge nicht von Licht, Luft und Wasser trennen kann. Die De-Energie ist in unserem Körper verteilt. Sich nur einen Moment von Dao und De zu entfernen, bedeutet den Tod. Alle Menschen nutzen Dao und De, auch wenn sie sich dessen nicht immer bewusst sind, so wie ein Fisch sich auch nicht des Wassers um ihn herum bewusst ist und die Bedeutung des Wassers für sich und sein Leben nicht kennt.

Dao entfernt sich nicht von der Naturund zwingt ihr auch nicht seinen Willen auf. Im Gegenteil - es folgt der Natur und hält sich an ihre Gesetze. Das Dao selbst verkörpert die Gesetzmäßigkeit, die in allem steckt. Den natürlichen Charakter des Dao bezeichnet Laozi als Wu-Wei („nicht handeln“). Das Dao handelt ohne die Kontrolle des Bewusstseins. Wie beim autonom gesteuerten Herzschlag des Menschen hat das Bewusstsein keine Möglichkeit, das Dao zu beeinflussen. Das Dao erschafft alles und lässt alles durch De-Energie gedeihen.


 

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